Schnellboot: Typ 143a der Bundesmarine Teil 2

Zweiter Teil des Bauberichts zum Schnellboot Typ 143 A der Bundesmarine.

Eigentlich gedacht, um die Ausgänge der Ostsee zu kontrollieren und zu versperren, wurden die Schnellboote immer wieder fern ihrer Heimat im Rahmen von internationalen Missionen eingesetzt: die zwischen 1982 und 1984 in Dienst gestellten Einheiten... © Frank Spahr
Eigentlich gedacht, um die Ausgänge der Ostsee zu kontrollieren und zu versperren, wurden die Schnellboote immer wieder fern ihrer Heimat im Rahmen von internationalen Missionen eingesetzt: die zwischen 1982 und 1984 in Dienst gestellten Einheiten...

Ein freundliches Mausgrau?! Nun kam der Zeitpunkt des Bemalens. Nachfragen bei einem Freund von der Marine ergaben, dass die moderne Rumpffarbe genau Revell 57 und die Decksfarbe Revell 79 entspricht (entgegen der Bauanleitung). Es wurden durchweg Acrylfarben benutzt, meist Revell Aqua Color. Den Wasserpass habe ich lieber gespritzt, anstatt mich mit den Decals abzuplagen, hierfür wurde Anthrazit 9 benutzt.

Das Unterwasserschiff ist Ziegelrot 37. Für die Farbgrenzen richtete ich mich nach meinen Vorbildfotos. So sind am Aufbau bestimmte vertikale Bereiche in Decksfarbe gestrichen. Die Warnkreise auf dem Deck wollte ich nicht als Decals aufbringen, also versuchte ich, mit einem Schneidzirkel die Umrisse zu gravieren. Letztendlich schnitt ich mir jedoch später Masken aus und spritzte die Warnkreise.

Probleme hatte ich mit der Passung des Aufbaus auf dem Deck; trotz Trockenpassens (siehe Glossar Seite 98) und Entfernens der störenden Passhilfen war ich nicht wirklich zufrieden und musste nacharbeiten (2). Nach dem Ankleben ergänzte ich noch Feuerlöschkästen mit selbst gedruckten Schildern am Aufbau und brachte eine „Bridge-Art“ (siehe „Nose-Art“ Glossar Seite 98) an, einen Nerz, der auf zwei Raketen reitet.

Diese hatte ich auf einem Foto gesehen; ich habe keine Ahnung, für welchen Zeitraum sie korrekt ist – aber sie gefiel mir. Wie bei jedem Projekt gab es reichlich Kleinteile, die versäubert und vorbemalt werden mussten; es kam somit wieder das Gefühl auf, gar nicht weiter zu kommen, während ich mich durch das viele Klein-Klein durcharbeitete.

Es tauchten aber auch immer mehr Sachen beim Durchschauen der Referenzbilder auf, die ich umsetzen wollte; so fügte ich achtern eine Beting (kurzer starker Pfosten) und eine weitere Düse samt Schutzkorb für die ABC-Abwehranlage hinzu, bevor ich mich an den im Bausatz fehlenden Bootskran machte. Dieser entstand aus diversen Polystyrolprofilen, Messingdraht und -röhrchen sowie Ätzteilen.

Hier sind oft die „Structural Parts“ von L’Arsénal sehr nützlich. Auf der Brücke wurden eine im Original recht sichtbare Holzleiste sowie „Optiken“ für die Peilinstrumente an den Brückennocks ergänzt. Erfreulich sind die schönen Decals sowohl für die Brücke als auch für den RAMStarter.

Recht komplexe Baugruppen waren die beiden Masten; wie komplex sie im Original sind, zeigten meine Fotos, und mir war bald klar, dass ich hier nur andeuten würde. So wurden die Teile dezent mit Kunststoffprofilen und Draht detailliert, um sie optisch etwas aufzuwerten.

Am Hauptmast wurden Antennen und eine Signalrah mit geätzten Ösen ergänzt, die Kunststoffleiter wurde durch ein Ätzteil ersetzt. Nachdem der Radarmast fertig war, konnte er befestigt werden und ich konnte mit dem Bau der Relings beginnen. 

Die Relings

Getreu dem Prinzip, immer von innen nach außen zu arbeiten, um das Beschädigungsrisiko klein zu halten, begann ich direkt an den Brückennocks und arbeitete mich von dort nach achtern vor (7-9). Die Positionen für die Relingstützen wurden mit einem 0,3-Millimeter-Bohrer vorgebohrt. Die recht stabilen Ätzteile wurden mit Sekundenkleber darin befestigt.

Die Schnellboote haben teils feste Relings mit Zügen aus Stahlrohr, teils haben sie leicht niederzulegende Relings mit Zügen aus Draht. Am Aufbau findet sich beides. Ich hatte mir überlegt, die Drahtrelings mit 0,2-Millimeter-Draht auszuführen, den ich durch die 0,3-Millimeter durchmessenden Öffnungen in den Relingstützen fädeln konnte.

Das ging erfreulich einfach, und die Reling ist sogar ziemlich stabil – und einigermaßen maßstabsgerecht!

Knifflige Arbeit

Als optische Unterscheidung wurden die Züge der festen Relings mit einzeln zugeschnittenen Stücken von 0,5-Millimeter- Draht hergestellt – eine knifflige und langwierige Arbeit, aber lohnenswert. Abstrebungen wurden aus 0,3-Millimeter- Draht angefertigt. Die Bemalung der Drahtdurchzüge mit dunkelgrauer Farbe setzte sie optisch zusätzlich von den in Schiffsfarbe bemalten dickeren Zügen ab.

Aufwendig wurde es noch einmal bei der Reling am Hauptdeck. Hier macht sie um die Rettungsinseln jeweils einen Knick. Ich löste das Problem, indem ich die Öffnungen der geätzten Relingstützen auf 0,4 Millimeter aufbohrte, so dass ich 0,3-Millimeter- Draht durchziehen konnte. Dieser wurde nach einer Schablone zurechtgebogen (drei Durchzüge pro Seite).

Es wurde alles auf die Relingsstützen aufgefädelt, und die zuerst sehr wacklige Konstruktion wurde in die vorgebohrten Löcher im Deck eingeklebt. Voraus von diesem Relingsteil wurden beiderseits drei zusätzliche Teile angebracht, die recht gut sichtbar sind, aber im Bausatz fehlen. Dabei handelt es sich um eine Laufplanke, ein aufgerolltes Netz und einen flachen Kasten.

Wieder halfen Polystyrolteile, Draht, Ätzteile sind auf engstem Raum untergebracht. und für das Netz Reste von einem Insektenschutznetz für Türen. Der Rest der Reling war zwar zeitaufwendig, aber nicht schwierig. Langwierig wurde es, die Metallreling deckend zu bemalen, aber irgendwann war auch das geschafft.

Am Brückenaufbau wurden nun noch die zwei gut sichtbaren Antennen ergänzt, deren rotgestrichene Basen von durchsichtigen Kunststoffhüllen umgeben sind. Hier benutzte ich konische Drehteile von BMK sowie Stücke der schützenden Kunststoffhülsen von Pinseln.

Keine Heuer und dennoch ...

Mein Schnellboot durfte kein Geisterschiff werden, also brauchte ich so etwa ein Dutzend Mann Besatzung, die an Deck sichtbar waren. Ich hatte mir einmal für wenig Geld einen größeren Posten schauderhaft bemalter fernöstlicher Spur-N-Figuren zugelegt; diese bemalte und formte ich zu „meiner“ Crew um. Nun konnte auch die Minimaltakelung in Form von Flaggleinen angebracht werden; hier benutzte ich beigen Angelfaden.

Als schließlich alle Bauteile angebracht waren, erhielt das Modell noch einen Überzug mit mattem Klarlack, um die Übergänge einzublenden und Klebstoffspuren abzudecken. Dazu benutzte ich Vallejo ModelAir und war sehr zufrieden. Mein Modell wurde fast gar nicht gealtert, denn Schiffe der deutschen Marine sehen praktisch immer sehr sauber und ordentlich aus.

Nur am und um den Anker wurden ein paar dezente Rostspuren angebracht. Das I-Tüpfelchen waren nun die Brückenfenster. Diese wurden aus Kristal Klear von Micro Scale angefertigt, ein wirklich glockenklar trocknender Weißleim. Sehr gut sichtbar an der Brückenfront der Boote sind die drei Schleuderscheiben an den mittleren Brückenfenstern.

Revell hat sie als Decals beigelegt, aber ich bin kein großer Freund von Decals auf Klarsichtteilen. Meine Lösung bestand darin, aus dünnen Abschnitten von Messingrohr und fotogeätzten Bootsriemen Schleuderscheiben selbst anzufertigen, diese grau zu spritzen und in die frische „Verglasung“ aus Kristal Klear einzulassen.

Das Ergebnis gefällt mir zumindest gut. Nun konnte das Boot mit Silikonklecksen an der Basis befestigt werden; der verbleibende Spalt wurde mit klarem Acrylgel gefüllt. Trotz mancher Passungsprobleme ein begeisternder Bausatz einer beeindruckenden Schiffsklasse, die in ihrer Dienstzeit an Orten und zu Zwecken eingesetzt wurde, die ihre Konstrukteure und Auftraggeber nie im Sinn hatten. 

TEXT und FOTOS: Frank Spahr
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