Figurenmodellbau

Siebenjähriger Krieg: Offz. 4. Preuß. Infanterieregiment

Die Figuren des Siebenjährigen Krieges sind in der Figurenmodellbau-Szene ein recht wenig beachtetes Thema, aber trotzdem ein sehr interessantes. 

Die Pflanzen stammen von Fredericus-Rex. © Carsten Pöpping
Die Pflanzen stammen von Fredericus-Rex.

Die italienische Firma Romeo Models hat sich dem Thema „Friedrich der Große“ mit zwei Figurenbausätzen angenommen. Der Offizier besteht aus neun quali­tativ guten, sauber gegossenen Zinnteilen, die entgratet, verputzt und komplett montiert wurden.

Das ist ohne Probleme möglich, da keine Hinterschneidungen die Bemalung behindern. Nach dem Grundieren in Grau wurde die Figur zum Durchtrocknen erst einmal beiseite gestellt.

Das passende Gesamtbild

Um den Offizier später in einer passenden Umgebung präsentieren zu können, widmete ich mich zuerst der Sockelgestaltung, die ich für sehr wichtig erachte, um ein harmo­nisches Gesamtbild zu erzielen. Ein passender Holzsockel aus dem Fundus bildet die Basis. Ich modellierte mithilfe von 2-K-Modelliermasse und ein paar Steinchen den Boden.

Aus Styrodurplatten und einem Gipskörper aus der Grabbelkiste entstand ein Zaunpfeiler, der mit dem aus Papier gelaserten Tor von Fredericus Rex ergänzt wurde.

Diese Konstruktion platzierte ich auf dem Sockel. In den Vordergrund kam der Holzpfosten, der dem Bausatz beilag und unbedingt nötig war, damit der Offizier dort seine Hand auflegen konnte.

Ärger­licherweise ist sein Handschuh zur Hälfte auf den Pfosten modelliert.

Nun wurde ebenfalls alles in Grau grundiert und nach Trocknung die Figur zur Stellprobe hinzugefügt. Mit den zwei dunklen Brauntönen Van-Dyck-Braun und Umbra gebrannt lasierte ich den Untergrund, um die tiefen Stellen zu schattieren.

Mit den helleren Brauntönen Siena natur und lichtes Ocker arbeitete ich mit der Trockenmalmethode die „hohen“ Stellen heraus.

Verschiedene Grüntöne und etwas Weiß rundeten den Bodenbelag ab. Für das Holzelement verwendete ich eine Lasur aus Umbra gebrannt und hellte diese mit Siena natur auf. Nach dem Trocknen ließ ich sehr stark verdünntes Elfenbeinschwarz in die Vertiefungen des Holzes laufen, um dessen Maserung noch zu verstärken.

Die Kanten des Pfostens betonte ich mit Neapelgelb hell. Das Tor bemalte ich mit einer Goldgrundierung und lasierte nach dem Trocknen mit Elfenbeinschwarz darüber, um die Schatten zu betonen. Zum Abschluss setzte ich noch einige Highlights mit Printers Ink Gold.

Es wächst und gedeiht

Für die Grüngestaltung klebte ich vereinzelt lange und kurze Grasbüschel von Green Line auf den Untergrund. Die Büschel übermalte ich nach dem Ankleben noch mit einer Lasur aus Ölfarben, damit der produktionsbedingte, aber auch unnatürliche leichte Glanz des Grases verloren ging. Meiner Erfahrung nach wirken die Gräser so noch natürlicher.

Abgerundet wurde das Ganze mit den aus Papier gelaserten Lupinen von Fredericus-Rex. Dabei wurden die Blätter im Papierbogen bemalt und nach dem Herausschneiden mit dem Skalpell an den beiliegenden Draht geklebt.

Die überstehende Drahtspitze wurde in Holzleim und anschließend sofort in den ebenfalls beiliegenden Blütenflock getaucht. Danach wurden die Pflanzen auf dem Sockel als schöne Blütenpracht „gepflanzt“.

Die arrogante Eleganz

Nun kam die Figur unter den Pinsel. Zuerst wurde der Dreispitz dunkel untermalt, um eine bessere Kontrastwirkung des Gesichts zu erhalten. Die Augen wurden durch je einen Strich am oberen und unteren Lid eingerahmt und die Iris zwischen den beiden Linien in die Mitte gesetzt.

Nach dem Trocknen wurde das Gesicht mit einer Mischung aus Siena gebrannt (ca. 80 %), Umbra gebrannt (ca. 5 %), Goldocker (ca. 15 %) und einem Hauch von Chromoxid-Grün stumpf untermalt.

Später zog ich eine Lasur Siena gebrannt über die Untermalung. In diese nasse Lasur wurden die Lichter mit Hautfarbe und die Schatten mit Umbra gebrannt eingearbeitet. Die Highlights wurden mit Titanweiß und die tiefsten Schat­ten mit dem Zugeben von Violett zum Umbra herausgearbeitet.

Zum Schluss erhielten die Wangen einen leichten Farbtupfer mit Alizarincarmesin, um dem Gesicht mehr Leben zu verleihen. Ein Bartschatten, mit einer Lasur aus Paynes-Grau gemalt, rundete das Gesicht ab.

Kleidung je nach Vermögen

Die Offiziere in der Preußischen Armee mussten ihre Kleidung von ihrem Sold finanzieren und je nachdem, wie sparsam (oder auch nicht) sie mit dem Geld umgingen, fiel die Qualität der Uniform aus. Dies hatte Einfluss auf den Stoff, genau wie auf die Anzahl der Uniformen, die sich ein Offizier leisten konnte.

Mein Offizier sollte nicht ganz so sparsam mit seinem Sold umgegangen sein, deshalb stellte ich den Uniformrock in einem etwas verwaschenerem Blau dar.

Dazu wählte ich eine Untermalung in Coelinblau, die mit Deep Blue abgedunkelt und mit Königsblau hell aufgehellt wurde. Nach dem Trocknen erfolgte noch eine Lasur mit Indigo, da mir der erste Farbton des Rockes doch zu hell erschien. Nun wurden die Ärmelaufschläge mit Kadmiumrot und die Weste sowie die Hose mit Neapelgelb untermalt.

Der schwarze Dreispitz und die Stulpen wurden fertiggestellt und die Knöpfe an denselben mit Silber herausgearbeitet. Die Gelbtöne schattierte ich mit Siena gebrannt und hellte sie mit Neapelgelb hell sowie Titanweiß auf.

Anschließend wurden noch die weißen Uniformbestandteile mit Titanweiß und Paynes-Grau als Schattenfarbe gemalt. Zum Abschluss untermalte ich die aufwendigen Verzierungen des Rockes mit Gold, schattierte mit Umbra gebrannt ab und hellte mit Printers-Ink Gold auf.

Erfolgreiche Hochzeit

Als Hochzeit bezeichne ich den Moment, an dem die fertige Figur auf den gestalteten Sockel wandert. Dazu hatte ich schon die genauen Fixierungspunkte gebohrt, in denen nun die Figur mit Ihren Stiften eingeklebt wurde. Zum Abschluss der Malarbeiten wurden nun nur noch die Handschuhe fertiggemalt, da sie erst jetzt als Ganzes zu erkennen waren.

Insgesamt gesehen handelt es sich um einen sehr schönen Bausatz, der mir enorm viel Freude bereitet hat. Das gilt auch immer noch, wenn ich die Figur in meiner Vitrine betrachte.

TEXT: Karsten Pöpping, FOTOS: Carsten Pöpping
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