T-62 Modell, Baujahr 1962

Sowjetische Militärtechnik effektvoll lackiert

Auf dem Weg zu einer effektvollen Lackierung wird der Bau des aktuellen T62-Modells genau unter die Lupe genommen.
 

T-62 Mod.1962 im Maßstab 1:35: Sowjetische Militärtechnik effektvoll lackiert © Lars Richter
T-62 Mod.1962 im Maßstab 1:35: Sowjetische Militärtechnik effektvoll lackiert

Trumpeter dürfte bei Freunden russischer Panzer aus der Nachkriegszeit für Freude gesorgt haben, als bekannt wurde, dass einer der meistgebauten Panzertypen nunmehr als Spritzgussmodell erhältlich ist. Abgesehen von einem doch ziemlich missglückten Versuch der Firma Tamiya aus dem Jahre 1977 gab es diesen Panzertyp bis dato nicht zu kaufen.

Unser Modell zeigt eine frühe Variante des T-62 aus dem Jahr 1962. Diese ist hauptsächlich am frühen Motordeck und dem fehlenden Flugabwehr-MG nebst neu gestalteter Ladeschützenluke erkennbar.

Ein T-62 entsteht

Der Bausatz ist in hellgrauem Plastik gespritzt und macht beim ersten Blick in die Schachtel einen sehr guten Eindruck. Inklusive der in Einzelgliedern ausgeführten Kette wollen ca. 500 Teile verbaut werden. Hinzu kommen einige wenige wichtige Ätzteile, ein aus Aluminium gedrehtes Kanonenrohr sowie gedrillter Kupferdraht für die Abschleppseile. Die Details sind im Großen und Ganzen überzeugend ausgeführt, lassen sich jedoch mit kleinen Nacharbeiten noch überzeugender gestalten.

Der Bausatz selber zeigt leider von der Konzeption her zwei Schwachstellen. So ist zum einen die Heckabschlussplatte rechtwinklig dargestellt – richtig wäre aber ein leichter Winkel von 86°. Ein weiterer Fehler findet sich bei der Luke des Ladeschützen. Diese ist leicht schräg, nach innen laufend, dargestellt. Die korrekte Ausrichtung müsste jedoch (bei einer gedachten geraden Linie durch die Turmmitte) parallel zu dieser Linie laufen.

Dies sind meiner Meinung nach jedoch nur „Fehler“, die dem absoluten Puristen und T-62-Genauigkeitsfanatiker auffallen werden – sofern diese das Modell fertig bauen sollten. Alle anderen, die einfach Freude an der Form dieses Panzers haben, werden mit dem Trumpeter-Bausatz gut bedient.

In Baustufe 3 muss man sich bereits entscheiden, ob man die Bugplatte Teil C13 oder alternativ C9 an-bringt. C9 stellt eine Platte dar, die mit Aufnahmebefestigungen für Räumgerät versehen ist. Entscheidet man sich gegen die Option C9 sollte man beachten, dass folglich in Baustufe 7 auch die Teile A32 und A4 keine Verwendung finden dürfen.

Bei meinem Modell habe ich auf die Möglichkeit dieser Option verzichtet und das Fahrzeug ohne diese zusätzlichen Aufnahmepunkte gebaut. Ebenfalls in Baustufe 3 geht es an das Laufwerk. Hier fällt auf, dass die Antriebsräder (Teile A3 und A37) nicht deckungsgleich sind und somit die Kettenführungszähne nicht plan sind. Also bitte aufpassen und die Teile so verkleben, dass die Zähne sich genau gegenüber stehen, sonst passt am Ende die Kette nicht!

Entgegen der Bauanleitung habe ich die Ketten noch nicht aufgezogen, da bei meinem Modell realistischere Ketten von Friul verwendet wurden. Diese ließen sich auch nach dem Zusammenbau von Ober- und Unterwanne problemlos aufziehen. Zu den Friul-Ketten sei noch angemerkt, dass diese ohne Einschränkung verwendbar sind. Trotz des längeren Laufwerkes des T-62 im Vergleich zu den T-54/55 Modellen, dem Friul-Set ATL 01 liegen nämlich ausreichend Kettenglieder bei.

In der Baustufe 7 kommt es dann auch zur „Hochzeit“ von Ober- und Unterwanne. Trotz mehrfachen Trockenanpassens zeigt sich an der Stoßkante der beiden Bugwannen einfach ein deutlicher Spalt. Ich habe hier ein passendes Stück Plastikstreifen eingefügt und das Ganze sauber verschliffen. Der weitere Zusammenbau am Wannenbereich bringt keine größeren Überraschungen mehr, so dass recht zügig ein Baufortschritt erzielt werden kann.

Die einzigen Änderungen bzw. vielmehr Verfeinerungen erhielt das Modell letztlich dadurch, dass ich den Schutzbügel für die Bugscheinwerfer aus Messing neu zusammengelötet habe, um eine maßstäblichere Materialstärke zu erreichen. Ebenfalls ein kleines aber doch wichtiges Detail sind die im Bausatz fehlenden Kraftstoffleitungen der Ersatztanks auf den Kettenabdeckungen.

Hierzu verwendete ich das aktuelle Set (35-350) von MIGPRODUCTION, welches Adam Wilder mir freundlicherweise für dieses Modell hatte zukommen lassen. Und siehe da, alles passt perfekt und das fertige Modell sieht so gleich sehr viel realistischer aus. 

Wenden wir uns nun dem Turm zu! Ab Baustufe 15 führt die Anleitung sicher durch den Zusammenbau – bis auf zwei Punkte. Die Verschraubungen an der Kanonenblende (Bauteile B1 und B2) sind dort nämlich vertauscht dargestellt. Um diese Teile korrekt anzubringen, müssen einfach nur die Seiten getauscht werden.

Der andere kleine Fauxpas ist Trumpeter bei der Positionierung des kleinen Suchscheinwerfers (B13) unterlaufen. Dieser sollte entgegen der Anleitung nicht nach vorn, sondern nach hinten zeigen.

Kleine Detailverbesserungen habe ich letztlich auch am Turm vorgenommen. Insbesondere wurden hier fehlende Schweißnähte nachgebildet, vor allem an den Hebeösen und um die Luken herum. Anstelle des dem Bausatz beiliegenden Kanonenrohres habe ich meinem Modell ein Zubehörteil der polnischen Firma RB spendiert. Notwendig ist das nicht wirklich, aber das RB-Rohr wirkt einfach noch einen Tick besser. 

Grün ist nicht gleich Grün

Massenhafte Herstellung, weltweiter Einsatz bei Armeen – das sollte doch genügend Stoff für interessante Tarnschemata liefern. Bei meinen Recherchen zur Geschichte des T-62 stieß ich recht bald auf die heißen Tage im August 1968, als Truppen des Warschauer Paktes in die damalige CSSR einrückten, um den „Prager Frühling“ zu beenden.

Bei diesem Einmarsch setzte die sowjetische Armee erstmal den T-62 außerhalb des eigenen Staatsgebietes ein. Zur besseren Identifikation der Invasionstruppen wurden die Fahrzeuge mit weiß auflackierten Streifen markiert. Die Anordnung der Streifen variierte dabei – auf mehreren zeitgenössischen Fotos konnte ich unterschiedliche Varianten erkennen. Letztlich fiel meine Entscheidung dann auch auf ein Fahrzeug aus dem August 1968.

Dieses Modell sollte also keinesfalls einen abgewetzten Kampflook erhalten. Die folgenden Alterungsschritte sind daher konsequenterweise zurückhaltend durchgeführt worden. Wichtiger erschien mir von Anfang an, dass die Basislackierung schon genügend Abwechslung für das Auge des Betrachters bietet, um auch ohne heftiges Chipping oder Verlaufsspuren interessant zu wirken.

Für den gewählten Einsatzzeitraum erschien es mir einfach unlogisch, derartige Abnutzungen zu zeigen. Zwar zählen die als Vorlage genutzten historischen Fotos nicht zu den qualitativ besten – aber immerhin lässt sich erkennen, dass die Invasions-Fahrzeuge einen recht gepflegten Eindruck machten.

Im ersten Schritt wurde das komplette Modell von mir – zerlegt in einzelne Baugruppen – mit Tamiya XF-1 schwarz lackiert. Die schwarze Grundlackierung dient mir hier als Grundierung und erster Schritt für spätere Tiefenwirkungen. Um eine ideale Grundlage für weitere Lackierschritte zu erhalten, wurden dem Schwarz einige Tropfen X-22 Klarlack beigefügt.

Direkt auf die schwarze Grundierung wurde sodann in groben Zügen ungefähr in den Bereichen Weiß aufgesprüht, die später die Invasionsstreifen tragen sollten. Um eine saubere Markierung zu erhalten, habe ich mit Tamiya Masking-Tape die entsprechenden Stellen abgeklebt. Danach folgte der Auftrag eines selbst angemischten Grüntones.

Hier kamen die Farben XF-58 Olivgrün, XF-13 japanisches Grün und etwas XF-21 Sky zum Einsatz. Da die Lackierung bereits dramatisch erscheinen sollte, wurden die höher gelegenen Bereiche durch Zugabe von XF-3 Gelb zur Grundfarbe nochmals stark akzentuiert. Die Fahrzeugziffern wurden mit Hilfe von selbstklebenden Schablonen per Airbrush aufgetragen.

Wie die Fotos zeigen, blieb das Modell für die einzelnen Lackierungs- und die folgenden Alterungsarbeiten, zunächst in einzelne Baugruppen zerlegt. Auf diese Art ließ sich übersichtlicher und angenehmer arbeiten.

Details und Kleinteile, die sich später zwecks verbesserter visueller Wahrnehmung vom Modell abheben sollten, wurden mit hellen Vallejo-Grüntönen per Pinsel bemalt. Der Kontrast zur aufgesprühten Grundfarbe wurde dabei allerdings bewusst begrenzt, da keine heftige Alterung mittels Filtern etc. geplant war.

So wurden auch lediglich nacheinander zwei schwache Filter (ein helles Grün und ein sandfarbener Ton) über die Lackierung gelegt. Um das Modell weiter zu akzentuieren, erfolgte das Detailwashing. Wie immer habe ich dazu stark verdünnte Ölfarben verwendet. Eine Mischung aus Schwarz und Umbra gebrannt ergibt einen schönen dunklen Ton, der nicht so krass hervorsticht, wie reines Schwarz das tun würde.

Die Friulketten erhielten ihr Aussehen zunächst durch eine satte Lage einer Mischung aus schwarzer und lederbrauner Tamiyafarbe. Nach ausreichender Trocknung wurden verschiedene sandfarbene Pigmente angemischt, trocken aufbracht und schließlich fixiert.

Sobald der Fixierer komplett durchgetrocknet war, konnten die Ketten weiterbearbeitet werden. Hierzu wurden lediglich die Auflagepunkte mit Schleifpapier überarbeitet, sodass das blanke Metall wieder zum Vorschein kam. Letzte Feinarbeiten mit zusätzlichen Pigmenten erfolgten erst, nachdem die Kette auf das Laufwerk aufgezogen wurde.

Nach der Montage der Ketten waren die Arbeiten am Modell im Wesentlichen abgeschlossen. Jetzt folgten nur noch die Anbringung der vorderen und hinteren Kettenschutzbleche, der runden Dieselkraftstoffbehälter und einige kleine Retuschierarbeiten.

Das verlangt nach mehr…

Was für ein elegantes Modell! Wieder einmal schafft es Trumpeter, uns Modellbauern ein feines Modell für kleines Geld und Bastelspass für viele Stunden zu bieten. Abgesehen von den eingangs erwähnten beiden „Hauptfehlern“ besticht das Modell durch einfache Handhabung, eine klare Bauanleitung und eben durch die Tatsache, dass wir hier ein Modell an die Hand bekommen, welches ein Vorbild nachzeichnet, das tausendfach rund um den Globus im Einsatz war und ist. Auf das Nachfolgemodell, den T-62 Modell 1972, darf man also gespannt sein. In diesem Sinne: Happy Modelling!

Literatur-Tip:

T-62, Tankograd Publishing, Verlag Jochen Vollert
TEXT und FOTOS, sofern nicht anders angegeben: Lars Richter
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