Oldie-Bau mit Verfeinerungen

Steyr Tractor RSO/01 aus den ’70ern um- und aufrüsten

Der vor allem unter dem Label Italeri bekannte RSO aus den 1970ern ist nach wie vor eine Wiederauflage wert. Wie schlägt sich so ein Veteran beim Bau mit heutigen Möglichkeiten?
Steyr Tractor RSO/01 aus den ’70ern um- und aufrüsten © Frank Schulz
Steyr Tractor RSO/01 aus den ’70ern um- und aufrüsten

Auch der größte Sammler und Jäger fängt irgendwann einmal an, seine Lagerbestände zu durchforsten und sich von einigen seiner Schätze zu trennen – auch ich.

Dabei kamen sage und schreibe zehn der alten RSO von Italeri zutage. Gleichzeitig fand ich diverses Zubehör wie Ketten und Planen für zwei dieser Modelle. Von einigen trennte ich mich, zwei Bausätze wollte ich aber trotz ihres Alters und offensichtlicher Schwächen nochmals bauen und so zumindest das teuer beschaffte Zubehör zu verwenden.

Seit 1978 im Programm und ursprünglich unter dem Label Peerless/Max zusammen mit dem 15-cm-Nebelwerfer und einigen Figuren erschienen, wechselten die RSO-Formen später zu Tomy und schließlich zu Italeri.

Hier wurde der Nebelwerfer dann zum einzelnen Bausatz und die Figuren blieben auf der Strecke. Der RSO bildete die Grundlage für weitere Varianten, die bei Italeri entstanden, und ist selbst seit vielen Jahren immer wieder im Programm zu finden. Der ursprüngliche Bausatz des RSO zeigt sich seither unverändert.

Schwankender Maßstab

Aufgrund des hohen Alters des Bausatzes war mir klar, dass er maßstäblich einige Schwächen aufweist. Ich vermutete eher 1:32 als 1:35. Eine kurze Überprüfung anhand von Maßstabszeichnungen offenbarte, dass das Modell anscheinend in verschiedenen Bereichen zwischen diesen beiden Maßstäben schwankt.

So ist die Spur insgesamt zu breit, ebenso die Pritsche. Laufrollen und Kabine sind dagegen fast wieder 1:35.

Aufgrund dessen entschied ich mich für ein Geschütz von Hecker & Goros als Anhängsel, das im Maßstab 1:32 gehalten ist. Auch die für den RSO angepassten Warriors-Figuren für Fahrer und Beifahrer entsprechen mehr 1:32. Zusätzlich verwendete ich ein schönes Verdeck von Warriors für die zu große Pritsche.

Zeitreise Zusammenbau

Der RSO war für mich eigentlich immer ein sehr schöner, einfacher Bausatz. So war zumindest meine wohl Erinnerung an diesen Kit. Ich gebe zu, das letzte Modell des RSO habe ich bestimmt vor mehr als 20 Jahren gebaut.

Deshalb war ich leicht erschüttert, als die vier dunkelgrünen Spritzlinge, die Kabine, die Klarsichtteile und die extrem harten Vinylketten aus dem Kasten purzelten.

Dicke Materialstärken, riesige Formnähte, Formversatz, magere Details, Auswerfermarken und Sinkstellen sprangen mir ins Auge. Heute würde man so etwas schon fast als Short-Run-Kit bezeichnen!

Nach dem ersten Schock wurde zunächst nach passenden Ersatzteilen für die zu schlechten Details und Ausrüstungsgegenstände gesucht. Einiges wie Lampen oder Scheibenwischer waren schnell gefunden.

Für die steifen Bausatzketten waren Metallketten von Friulmodel und Modelkasten vorhanden. Die Sinkstellen auf der Pritsche verdeckt die Plane von Warriors. Für den Rest gibt es Spachtelmasse, Schleifpapier und Plastic-Sheet!

Kompromisse für die Figuren

Die schlechte Inneneinrichtung der Kabine des RSO von Italeri wird oft bemängelt und es stimmt: die Sitze entsprechen in keinster Weise den Originalen und auch die Motorabdeckung zwischen Fahrer und Beifahrer könnte besser detailliert sein.

Hier ist allerdings abzuwägen, ob man das Modell mit offenen Türen baut. Bei verschlossenen sollte man die Mängel der Inneneinrichtung ganz schnell vergessen, da diese später ohnehin nicht zu sehen sind.

Da ich auf jeden Fall Warriors-Figuren verwenden wollte, beschloss ich, einen kleinen Kompromiss bei der Inneneinrichtung einzugehen. Die Fahrerseite beließ ich, da hier die Tür verschlossen ist und die Figur genau auf den Sitz passt.

Der Beifahrer schaut aus der geöffneten Tür nach hinten und somit musste hier etwas passieren. Ich sägte zuerst einmal den massiven Sitzblock aus der Bodenplatte der Kabine heraus und verschloss das Loch mit Plastic-Sheet.

Das Untergestell des Sitzes entstand aus Draht und der Sitz selbst aus Milliput. Die Rückenlehne aus dem Bausatz konnte dann wieder verwendet werden, da sie später kaum noch sichtbar ist.

Passprobleme – aber warum?

Beim probehalben Aufsetzen der Kabine mit eingebauten Figuren kam dann der Schock. Die Fahrerfigur wurde hochgedrückt und der Beifahrer stieß mit dem Kopf an den Türrahmen.

Während der Beifahrer durch eine kleine Armkorrektur passend umgebaut werden konnte, war das Problem beim Fahrer nicht zu erkennen.

Erst nach mehrmaligen Versuchen wurde mir klar: Der große, hinter dem Sitz hervorkommende Schalthebel war im Weg und drückte die Fahrerfigur nach oben.

Außen wurde zunächst die geschlossene Fahrertür eingepasst. Hierzu muss am Türrahmen ein wenig geschliffen werden, damit sie bündig mit der Kabine abschließt.

Mitten im Lüftergitter der Motorhaube befindet sich eine Sinkstelle. Hier könnte man die fünf Bleche anbringen, mit denen sich der Kühler verschließen lässt, und so diese Schwachstelle umgehen.

Allerdings müssten hierfür neue Bleche aus dünnem Plastik angefertigt werden, da die Bausatzteile die Stärke von Panzerplatten haben. Ich trennte also das komplette Gitter vorsichtig heraus und klebte neues geätztes Gittermaterial ein.

Die zusammengeklappten Abdeckbleche wurden aus Plastik erneuert. Der Notek-Scheinwerfer und die winzigen Hauptscheinwerfer stammen aus der Ersatzteilkiste, ebenso wie das Hufeisen.

An der Kabinenrückwand ergänzte ich neues Werkzeug und das Rohr der Tankentlüftung.

Details für die Pritsche

Die Pritsche ist aus wenigen Teilen schnell zusammengeklebt. Auch hier sind die Details zum Teil grob umgesetzt, weshalb ich einige Details wie das Kolonnenlicht und den Wagenheber ersetzte oder andere wie die Schneeketten-Glieder ergänzte.

Die Plane von Warriors ist mit etwas gemischten Gefühlen zu betrachten. Sie zeigt an den Seiten je zwei kleine Sichtfenster und vier Spriegel. Normalerweise wurden die Planen mit diesen seitlichen

Gebirgshaubitze aus Zinn

Ich wählte das größere Geschütz, die 10,5- cm-Gebirgshaubitze 40. Nach geringen Versäuberungsarbeiten (meist waren es nur feinste zu verschleifende Formnähte) konnte der Zusammenbau laut Bauplan beginnen.

Die Teile passten erstklassig, sodass auch hier nur wenig gespachtelt werden musste. Für Handgriffe liegen Drähte bei und Schablonen geben die Größe der zu erstellenden Teile vor.

Leider zeigt der Bauplan das Geschütz nur in Feuerstellung. In Fahrtstellung wird der große Bock, der unter dem Geschütz montiert werden soll, hinten an der Lafette angebracht und die Erdsporne sind nicht zu montieren.

Das Rohr muss zudem in Transportstellung zurückgezogen sein. Die gesäuberten Zinnteile lassen sich mit Sekundenkleber sehr gut verkleben. Vom Löten ist aufgrund des sehr weichen Materials eher abzuraten.

Die Bemalung: Klassich!

Für den RSO kommt sowohl Panzergrau wie auch Sandgelb mit und ohne weitere Tarnung infrage.

Meine Wahl: Ein sandgelbes Fahrzeug mit verwaschenem Winteranstrich und das Gebirgsgeschütz als Kontrast dazu in Panzergrau.

Der erste Farbauftrag entstand mit Lederbraun von Revell. Dieser dient als Grundierung und gleichzeitig erste Schattierung.

Es folgte ein Auftrag mit German Dark Yellow 73604 von Vallejo, in zwei weiteren Durchgängen mit Dunkelgelb A.MIG 010 und A.MIG 011 aufgehellt. Hierbei achtete ich darauf, die oberen Bereiche heller zu halten.

Nach der Trocknung wurde Haarspray aufgetragen. Nun stand die Wintertarnung mit weißer Acrylfarbe an. Da der Wintertarnanstrich schon recht verwaschen aussehen sollte, trug ich das Weiß nicht vollflächig auf.

Nach kurzer Trocknungszeit konnte die überschüssige weiße Farbe mit lauwarmem Wasser und einem Borstenpinsel teils wieder abgetragen werden.

Das Haarspray wirkt hierbei wie eine Trennschicht und löst durch das Wasser an, was dazu führt, dass auch die darauf liegende weiße Farbe an diesen Stellen wieder abgeht.

Es folgten weitere Arbeitsschritte mit verschiedenen Washings, um Details zu betonen. Dabei nimmt ein graues Washing der weißen Farbe zunächst noch ein wenig Leuchtkraft. Kleine Kratzer und Beschädigungen malte ich mit dunkelgrauer Acrylfarbe auf, bevor das Modell mit Schlamm aus Pigmenten und Pigment Fixer verdreckt wurde.

Um Dreckspritzer zu erzeugen, nimmt man die Mischung mit einem Pinsel auf und bläst mit etwa einem Bar Druckluft aus der Spritzpistole auf das Modell. Die weitere Verschmutzung mit Schnee stand nach dem Zusammenbau der einzelnen Komponenten an.

Hierzu wurde im unteren Bereich des RSO Glanzlack aufgespritzt, darauf wurden Micro Balloons gestreut. Den Vorgang ein paar Mal wiederholen, bis die gewünschte Wirkung erzielt ist.

Danach: die Haubitze. Die versah ich aufgrund des Materials zunächst mit einer Grundierung von Wilder. Ein erster Auftrag von Schwarz und Panzergrau in heller werdenden Abstufungen waren die nächsten Schritte. Die Verwitterungen und Verschmutzungen nahm ich in ähnlicher Weise wie bei der Zugmaschine vor.

Mein Fazit

Nach vielen High-End-Bausätzen mit Hunderten von Teilen, ewiger Nietenzählerei und stundenlangen Nachforschungen für Modellbauprojekte war dieser Dinosaurier unter den Bausätzen trotz Abstrichen im Detail ein wirklich entspannendes Projekt.

Wären alle die verwendeten Teile, die vor Jahren für teures Geld den Weg in meinen Modellvorrat fanden, in meine Flohmarktkiste gewandert, hätten sie sicherlich nur einen Teil ihres ehemaligen Wertes wieder eingespielt.

So konnten sie doch noch ihrem eigentlichen Verwendungszweck zugeführt werden und bescherten mir einige Stunden Bastelspaß und die Erinnerung an frühere Zeiten. Ich denke, ich werde noch ein paar weitere „olle Kamellen“ ausgraben und das eine oder andere Projekt verwirklichen.

TEXT und FOTO: Frank Schulz
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