„out-of-box“ für Einsteiger

T26E4 Super Pershing – der Einsteiger-Bausatz

HobbyBoss offeriert einen qualitativ ausgezeichnet gefertigten Bausatz im Maßstab 1:35 des außergewöhnlichen US-Panzers T26E4 Super Pershing aus den letzten Kriegstagen in Europa. Doch kommen auch Einsteiger gut damit klar?

T26E4 Super Pershing I Maßstab 1:35 I © Lothar Limprecht
T26E4 Super Pershing I Maßstab 1:35 I

Der Bausatz des Super Pershing stellt diesen Prototypen sehr zutreffend dar und bietet weitere Gestaltungsmöglichkeiten an, die sich nur anhand von Fotos ermitteln lassen. Feinste Ausprägungen von Nieten, Schraubenköpfen sowie die Gussstruktur an Panzerwanne und Turm sind vorhanden, leichte Gussgrate an den Laufrollen zu entfernen. Dies trifft auch auf sichtbare Auswurfstellen einiger Bauteile zu.

Fahrwerk mit Pfiff

Für die Kettenmontage müssen die Zahnkränze der Antriebsräder stimmig ausgerichtet sein, die Klebereihenfolge beginnt mit dem innen liegenden Zahnkranz (Bauteil L1), anschließend werden die Bauteile A4 und A5 montiert. Das hintere Bauteil (B17) für das Gehäuse des Seitenvorgelege ist am Gießast nicht bezeichnet.

Unterteile der Stoßdämpfer (Bauteile A15) fügt man vor der Montage der Dreharme und Drehstäbe zusammen, richtet die Drehstäbe (Bauteile A2) so aus, dass die Aussparungen bugwärts zeigen und setzt erst dann die Dreharme auf. Die Drehstäbe/-arme weisen Spiel zur Höhenausrichtung von bis zu fünf Millimetern auf.

Für die einer Dioramenoberfläche angepassten Laufwerksgestaltung ist das bewegliche Laufwerk ideal, aber alle entsprechenden Bauteile müssen deshalb in einem Rutsch angebracht und ausgerichtet werden.

Dabei stellt man das Modell am Besten auf eine Glasplatte und stützt die Verklebung unter der Fahrzeugwanne bis zur vollständigen Austrocknung.

Kompliziert gibt sich dabei das Fahrwerk im Bugbereich. Hier sind Leitrad und erstes Laufrad auf einer Art Waagebalken positioniert, wobei ein gegen die Fahrtrichtung zeigender Lenker über einen Zwischenhebel die Federung mit einbindet. Auch diese Konstruktion ist vorbildlich umgesetzt und kann beweglich gehalten oder fest montiert werden.

Alternative Ketten liegen bei

HobbyBoss hat dem Bausatz sowohl eine durchgängige Vinyl-Kette als auch Einzelkettenglieder beigegeben. Da die Vinyl-Kette recht stramm sitzt und eine konkave Einbuchtung am Antriebs- und Leitrad zeigt, empfehlen sich eigentlich nur die filigranen und auch klebstofffrei zusammenzufügenden Einzelkettenglieder. Diese besitzen einen guten Zusammenhalt. Obwohl HobbyBoss je Seite 82 Kettenglieder vorschreibt, waren bei mir je zwei Kettenglieder zuviel, obwohl kein Montagefehler vorlag.

Die als nächstes folgenden Baustufen 5 bis 8 mit ihrer detaillierten Motormontage können eigentlich ausgelassen werden, denn es mangelt an jeglicher Innenraumgestaltung. Der Motor eignet sich aber gut als Ladegut für LKW oder ähnliches.

In der folgenden Baustufe ist die Heckwand (B27) anzubringen und aufzurüsten. Das Bauteil B25 stellt ein Feldtelefon zur Kommunikation zwischen der Panzerbesatzung und begleitender Infanterie dar. Bauteil B26 ist dessen Befestigungsplatte. Bei diesem Super Pershing im Europa-Einsatz ist der Einbau jedoch überflüssig, denn diese Kommunikation wurde erst im Koreakrieg beim M26 Pershing eingeführt.

Um ein Stahlseil am Heck zu montieren, fehlen jegliche Halterungen beziehungs­weise Montagepunkte. Hiernach sollten schon die Panzerkastenober- und unterteile miteinander vereint werden, nicht erst in der Baustufe 11. Die Halterungen der Kettenabdeckungen (Baustufe 10) sollten erst nach der Montage passend abgelängt werden. Beim Schutzbügel (Bauteil B30) in Baustufe 11 weist der längere Bügel nach hinten.

Die Einhängeösen (Bauteile I5 und L5) für die Spannschrauben an den Kettenabdeckungen sind sehr klein und neigen zum „Verschwinden“.

Die zusätzliche Bugpanzerung (Bauteil H8, Baustufe 12) muss in die Nut an der Bugplattenunterseite eingesetzt und ausgerichtet werden, sie neigt zur Schieflage und passt nicht ganz korrekt.

Bei der Fahrzeugbeleuchtung in Baustufe 13 sitzt rechts das „Headlight“ mit Fahrscheinwerfer und links die „Blackout Driving” Lampen. Beide Lampen tragen on top noch eine „Blackout Marker Lamp“. Die Bauanleitung gibt die Fahrbeleuchtungen falsch und unerklärt an. Vorsicht: die Gepäckkörbe (Ätzteile) an der Fahrzeugfront und auf den rückwärtigen Kettenabdeckungen strafen jede Unachtsamkeit durch Verbiegen. Die Ätzteile sind sehr dünn und weich. Damit ist der Bau der Wanne abgeschlossen.

In Baustufe 13 sollten zuerst die beiden passgenauen Turmhälften zusammen­gesetzt werden. Als Vorarbeit sind nur beide Montagelöcher für das Geschützrohr (ausgleichendes Gegengewicht) am Turmheck aufzubohren. HobbyBoss hätte ein Metallrohr beigeben sollen, denn die beiden Rohrhälften erlitten im gut gefüllten Karton einen leichten Verzug.

Somit erhielt mein Rohr eine Messing-Seele, die wiederum nicht ohne ein Gegengewicht aus unterschiedlich großem Angelblei im Turminneren auskommt. Mit Schleifpapier sind die Mittelnaht und die Ansatzstellen des Gussastes sorgsam zu entfernen.

Obwohl hierauf in der Bauanleitung nicht gesondert hingewiesen wird, lässt sich die Walzenblende zur Höhenrichtung des Geschützrohres beweglich anbringen.

In der Baustufe 14 beziehungsweise 15 sind die Verkleidung (Bauteil H15) für die beiden auf dem Turmdach befindlichen Ausgleicher (Bauteile H20 und H21) als auch die beiden seitlichen Panzerbleche („Fledermausflügel“) anzubringen (Bauteile H12 und H13). Die Ursprungsversion des Super Pershing wäre auch ohne diese Bleche darstellbar. Die seitlichen Panzerbleche waren an der Frontplatte angeschweißt und wiesen entgegen der Bauanleitung von HobbyBoss keine Stützen auf.

Stattdessen handelt es sich um U-förmige Träger mit zwei Schweißstellen an der Walzenblende. Die Montagestellen sind weder in der Bauanleitung noch am Bauteil deutlich gekennzeichnet. Besser, man verzichtet auf die Bausatz-Stützen und kreiert sich seine Träger selbst. Hiernach beide Fledermausflügel zügig anbringen, ausrichten und die Klebestellen gut durchtrocknen lassen. Zuvor sollten noch die je fünf Auswerferstellen an den Innenseiten der Fledermausflügel verspachtelt werden, da man diese nach der Fertigstellung deutlich sehen kann.

Der Träger des M2 Browning-MG (Bauteil L7) ist um 90° zu drehen, denn montiert man ihn nach Bauplan, wäre das schwere MG nur gegen Bodenziele einsetzbar. Übrigens habe ich hier mit einem kleinen Nachrüstsatz von „rb model“ die einzige Aufbesserung vorgenommen.

Die Montage des Pershing ist nach diesem Arbeitsschritt bereits abgeschlossen und war absolut unkompliziert.

Farbe – die Qual der Wahl

Die tatsächlichen Tarnanstriche der gepanzerten US-Kampffahrzeuge in Europa sind schwerlich noch zu ermitteln. Die olivgrüne Grundfarbe war vorschriftsgemäß mit schwarzen oder erdfarbenen Farbbändern aufzulockern. Nur Tarnflecken oder -bänder sind offenbar unter einer alles gleichmachenden Staub- oder Schmutzschicht verschwunden oder nie aufgebracht worden.

Der Super Pershing trug einen Tarnanstrich mit schwarzen Tarnflecken, dies ist auf s/w-Originalfotos zu erkennen. Hierauf verweist jedoch HobbyBoss nicht und empfiehlt einen einheitlichen Anstrich aus einer Farbmischung von einem zu zwei Dritteln Olivgrün beziehungsweise Grün unter Angabe von Gunze-Farben oder Farbalternativen anderer Anbieter.

Unter Zuhilfenahme des Federal-Standard-Farbfächers mit den Gunze Sangyo und „Humbrol Colour Cross Reference Charts“ und der Farbtabelle „Model Air“ von Vallejo versuchte ich, eine Farbmischung zu ermitteln, die der eines US-Panzerfahrzeuges in US-Dark-Green (FS 34102) mit einer Beimischung von Olivgrün (FS 34087) so nahe wie möglich kommen sollte.

FS 34102 nach Vergleichsliste der Acryl-Farbe Vallejo Nr. 011 entspräche zugleich einer Farbgleichheit mit der olivgrünen Wehrmachtsfarbe (RAL 6003) und ergäbe eigentlich keine Übereinstimmung mit US-Dark-Green. Mithilfe der Farbvergleiche von Humbrol und Gunze gelang es, die zutreffendere No. 092 von Vallejo zu finden.

Da FS 34087 im Federal-Standard-Farbfächer nicht mehr enthalten ist, blieb nur FS34089 (Vallejo Nr. 043) übrig. Nach vorgegebenem Mischungsverhältnis wurde diese Farbvariante ausgewählt. Ein Verdünnen empfiehlt sich. Um die sich schärfer voneinander abgrenzende grüne Grund- zur schwarzen Auflockerungsfarbe zu verwischen, wurde das Modell einem Washing aus verdünnter schwarzer Acryl-Farbe (Vallejo Nr. 057) unterzogen.

Hierauf folgte althergebrachtes Aufhellen in der Trockenmalmethode mit Humbrol 116 und einer dezenten Akzentuierung mit Humbrol Metal Cote (Eisenfarbe 27003). Zu beachten ist bei aller Kreativität, dass es sich bei dem T26E4 Super Pershing um einen Prototypen mit einer kurz bemessenen Einsatzzeit von nicht mehr als zwei Monaten handelt – viele Gebrauchsspuren oder Rost kann es also nicht gegeben haben.

Hobby Boss offeriert einen qualitativ durchaus ausgezeichnet gefertigten Bausatz eines außergewöhnlichen US-Panzers aus den letzten Kriegstagen. Der empfehlenswerte Bausatz kann auch von jedem Einsteiger in den Militärmodellbau zu einem Spitzenmodell gestaltet werden.

TEXT und FOTOS, sofern nicht anders angegeben: Lothar Limprecht
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