Das U-Boot im Sehrohr aufhängen

U-Bootklassiker Typ VII C: Wie man ein U-Boot abgetaucht darstellt

„Ein guter LI kann das Boot im Sehrohr aufhängen!“ (Lothar Günter Buchheim, „Das Boot“). Oder: Kann ein Modellbauer ein U-Boot abgetaucht darstellen? Wir haben uns dieser Frage anhand Revells Typ-VII-C-Version im Maßstab 1:350 angenommen.

Revells U-Boot Typ VII C: Am Sehrohr hängen … Wie man ein U-Boot abgetaucht darstellt © Frank Spahr
Revells U-Boot Typ VII C: Am Sehrohr hängen … Wie man ein U-Boot abgetaucht darstellt

Revells Typ-VII-C-Version im heute sehr populären Maßstab 1:350 ist einfach zu bauen und dabei doch hoch detailliert. Effektiv bemalt und mit den passenden Ätzteilen versehen, erlaubt sie ohne großen Aufwand den Bau eines sehr ansprechenden kleinen Modells. So kam mir der Kit sehr gelegen, da ich mal etwas Übersichtliches für zwischendurch benötigte.

Während ich die wenigen, sehr sauber gespritzten und gut passenden Teile verarbeitete, überlegte ich mir, wie ich das Modell präsentieren sollte. Bald war mir klar, dass ich das zwar sattsam bekannte, aber doch sehr ansehnliche U-552 von Erich Topp mit dem roten Teufel am Turm bauen würde.

Die Präsentation würde entweder ein Beschneiden auf Wasserlinie oder ein Einbetten des Rumpfes in eine Basis erfordern; zu beidem hatte ich wenig Lust, und eine Präsentation auf einem Sockel wollte ich nicht.

Ungewöhnliche Wege gehen …

Während ich nun das Modell versäuberte und grundierte, kam mir die Idee, das Boot unter Wasser zu zeigen. Das würde bedeuten, das Boot irgendwie zum Schweben zu bringen oder es auf Grund zu legen. Schweben würde das Boot entweder, wenn es in ein klares Medium eingegossen oder wenn es möglichst wenig sichtbar abgestützt wäre.

Oder – und der Gedanke kam mir erst später – wenn es auf Sehrohrtiefe führe und das Sehrohr an der Wasserfläche befestigt wäre.

So etwas geht natürlich umso leichter bei einem so kleinen und leichten Modell. So beschloss ich, es einfach zu versuchen. Ein Stück konisch gedrehtes Messing von BMK wurde mit Zweikomponentenkleber sehr fest ins Deck unter den Turm eingeklebt und ersetzte das Periskop. Das konische Messingrohr stand zunächst zwar mächtig über, bewährte sich aber beim Hantieren des Modells gut.

Erst altern, dann ätzen

Nachdem das Modell grundiert war, wurde es mit Acrylfarben in den entsprechenden Farbtönen lackiert. Nun konnte es gealtert werden. Dazu benutzte ich bräunliche Washes aus Humbrol-Verdünnung und Künstlerölfarben – das hat bei mir noch keine Lackierung angegriffen und geht sehr schnell und effektiv. Es folgte ein acrylbasierter Glanzlacküberzug dort, wo die Decals platziert werden würden.

Nachdem dieser getrocknet war, wurden die Decals mit Weichmacher aufgebracht und nach dem Trocknen alles mit klarem Mattlack eingeblendet. Nun konnten die wenigen, aber nützlichen Ätzteile angebracht und pinselbemalt werden. Insbesondere die Relings am Wintergarten und der Netzabweiser hoben sich positiv ab von den ebenfalls vorhandenen Spritzgussteilen.

Gesucht: ein „U-Boot-Aquarium”

Die „Takelung“ entstand aus feinem schwarzem Angelfaden, die Isolatoren sind bemalte Weißleimtropfen. Nach einem abschließenden Mattlacküberzug war das Boot als solches fertig. In der Zwischenzeit hatte ich das Internet nach Firmen durchforstet, bei denen ich Acrylzuschnitte bekommen konnte.

Ich fand schließlich auch einen Anbieter und orderte dort eine blaue Platte und vier durchsichtige Rundstäbe in Abmessungen, die in den von mir ausgesuchten Kunststoffkasten passen würden. Da ich das Periskop ein wenig aus der Wasserfläche herausschauen lassen wollte, verwarf ich schnell die Idee, den Deckel meiner Displaybox selbst als Wasserfläche zu gestalten – möglich wäre das natürlich.

Der Boden der Displaybox wurde verspachtelt, verschliffen und schlickfarben bemalt, in die Ecken wurden Bohrungen für die Rundstäbe angebracht.

Wasser, auf dem man gehen kann

Die Wasserplatte wurde von unten ebenfalls leicht angebohrt, um die Rundstäbe besser befestigen zu können. Ein sehr kleines Loch wurde für das Periskop gebohrt. Die Oberseite wurde mit Acrylgel strukturiert, in verschiedenen Blautönen akzentuiert und mit hochglänzendem Klarlack versiegelt. Ein leichtes Trockenmalen mit weißer Künstler-Ölfarbe schloss den Prozess ab.

Nun konnten die Rundstäbe und die Platte zusammengeklebt werden. Mangels professionellen Plexiglasklebers benutzte ich Pattex Repair Extreme – der Name klang so vertrauenerweckend. Nach dem Aushärten wurde das Boot vorsichtig von unten angebracht und mit Sekundenkleber fixiert. Anschließend wurde der Überstand des Sehrohrs abgetrennt und übermalt.

Torpedo los!

Als besonderen Effekt hatte ich mir überlegt, das Boot einen Torpedo schießen zu lassen. Dazu wurde ein Stück Polystyrol-Rundstab mit einem Millimeter Durchmesser vorn abgerundet und auf passende Länge geschnitten, bemalt und an einem Stück gezogenem klaren Gussast befestigt. Dieser wurde nun ringsum mit klarem Acrylgel aufgebaut, das nach dem Aushärten weiß trockengemalt wurde.

Die Baugruppe wurde nun über eine der Mündungsklappen geklebt und sieht recht realistisch aus. Die leichte Schräglage des Bootes erkläre ich übrigens damit, dass soeben anderthalb Tonnen Torpedo das Boot verlassen haben, da kommt der beste LI mit dem Regeln nicht so schnell hinterher …

Die Idee macht’s

Das kleine Projekt hat doch ordentlich Spaß gemacht und wurde auf der ersten Ausstellung, zu der ich es mitnahm, positiv empfangen. Das Boot wackelt natürlich fürchterlich, wenn man die Konstruktion bewegt, sodass vor jedem Foto einiges an Wartezeit nötig ist. Aber immerhin hat das Modell 500 Kilometer Autobahn überstanden, sodass ich jetzt einigermaßen beruhigt hinsichtlich der Haltbarkeit bin.

Ach ja – falls jemand den Netzabweiser vermisst: Mein Boot erlebte kurz vor der Fertigstellung einen Absturz auf den Kellferfußboden, bei dem dieses Teil auf Nimmerwiedersehen verschwand. Deshalb sieht man ihn auf den früheren Bildern, dann aber nicht mehr. Ich habe auch herausgefunden, dass die Netzabweiser ab dem Frühjahr 1941 nicht mehr verwendet wurden, deshalb ist das Fehlen des Teils zu verschmerzen.

TEXT und FOTOS: Frank Spahr
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