Kit-Aufwertung mit Scratchbau Know-how

US-Militärfahrzeuge: M35 A1 - Standardfahrzeug individualisieren

So individualisieren ein Standardfahrzeug wie das US-Militärfahrzeug M35 A1: Mit Scratchbau Know-how und verfeinerter Maltechnik kommen Sie bestimmt zum Ziel.

Der M35 A1 Truck in MASSTER-Tarnung © Uwe Kern
Der M35 A1 Truck in MASSTER-Tarnung

Miite der 80er-Jahre wurde der NATO-Dreiton-Fleckenanstrich (US CARC = Chemical Agent Resistent Coating) eingeführt. Das war nicht immer so: Anfang der 70er-Jahre durfte die 7th Army zum ersten Mal ihren ganzen Fuhrpark im farbenfrohen Anstrich mit dem Pinsel versehen – dem sogenannten MASSTER (= Modern Army Selected System Test Evaluation and Review). Die vier Farbtöne bestanden aus: Sand FS 30372, Rust-Brown FS 30117, Forrest Green FS 34079 und Black FS 37038.

Hier waren oft Künstler bei der Bemalung am Werk, die gerade bei großflächige Aufbauten wahre Kunstwerke hervor brachten. Ziel war es, Konturen der Fahrzeuge zu verwischen und sich den in Deutschland bebauten Gebieten farblich anzugleichen.

Kit-Aufwertung zu Beginn

Um mein Vorhaben, einen M35 A1 zu bauen, zu verwirklichen, verwendete ich den Bausatz des M35 A1 Gun Truck (AF 35034) von AFV Club. Hierbei wandert natürlich der gepanzerte Aufbau sowie die Bewaffnung und Munition in die Ersatzteilkiste. Der Zusammenbau der passgenauen Kunststoffteile des Bausatzes geht zügig von der Hand.

Da viele A1-Varianten die Scheinwerferanordnung nach unten verlegt hatten, wurde am Modell diese Änderung auch vollzogen. Auch das Loch im rechten Kotflügel wurde zugespachtelt, hier läuft bei der A2-Version der Auspuff entlang.

Um Details zu ergänzen und zu dicke Kunststoffteile zu ersetzen, kam der Ätzteilesatz von eduard (35577) zum Einsatz. Es wurden aber längst nicht alle Teile verwendet, nur die, die ich für sinnvoll hielt. Die Gummireifen aus dem Bausatz tauschte ich gegen Resin-Reifen aus. Hier bietet der Hersteller MAKO qualitativ hochwertigen Ersatz.

Im Innenraum der Fahrerkabine wurden Teile der Heizung und die Verkabelung unterhalb des Armaturenbretts scratch nachgebaut.

Für den Holzaufbau eines „Maintenance truck“ benutzte ich Holzprofile von der Firma Graupner mit den Maßen 2 x 2 Millimeter. Sie wurden auf die richtige Länge gesägt und mit Holzleim verklebt. Die Höhe des Aufbaus ermittelte ich aus Originalfotos, aber selbst Abweichungen sind kein Beinbruch, da jeder Aufbau im Original ein Unikat darstellt.

Danach wurde alles mit stabilem Karton verkleidet, nur die Öffnung der Hecktür sparte ich aus. Hier erfolgte der Einbau der Tür, die aus Holzlöffelstielen zusammengebaut wurde. Schloss und Scharniere entstanden aus Kunststoffprofilen. Die Segeltuchplane für den Aufbau fertigte ich aus zurechtgeschnitten Kosmetiktüchern.

Da diese mit einem Wasser-/Holzleimgemisch aufgetragen werden, muss vorher ein Schutzanstrich aus Enamel-Farben erfolgen. Diese Farbschicht verhindert das aufweichen der Pappe (gleiches beim Anhänger).

Das Anhängsel

Auch der Anhänger (M105 Trailer 35066 von Azimut Production), den ich noch aus einem älteren Projekt im Fundus hatte, wurde mit einem Holzaufbau versehen. Da die Türe offen bleiben sollte, wurden aus Plastiksheet Regale und Staukisten gefertigt, die später gut sichtbar sind. Zusätzlich spendierte ich dem Anhänger eine Doppelbereifung aus dem Truck-Bausatz.

Auf dem Dach liegen ebenfalls zwei Reifen auf einer Holzpalette, die mit einem Tarnnetz abgedeckt wurde. Das Tarnnetz besteht aus Verbandsmull, der mit Majoran bestreut wurde. Das Modell des Anhängers von Azimut ist kaum noch zu bekommen, was ich sehr bedauere, weil es sich um einen Standard-Trailer handelt und er in dieser Ausführung bis heute im Einsatz steht.

MASSTER Farben – kein Problem

Der Fahrzeugrahmen sowie der Innenraum der Fahrerkabine wurden nicht in den MASSTER-Fleckenplan einbezogen, am Modell wurde dieser Farbton mit Revell 42 Olive Drab umgesetzt.

Der helle Beigeton H 121 wurde mit Humbrol 187 aufgehellt. Um scharfkantige Übergänge zu erzielen, wurde mit UHU „patafix“ maskiert; zuvor wurde der Tarnverlauf mit einem Buntstift aufgemalt. 40% des Anstriches bestehen aus einem Braunton (Humbrol H186). 10% sind grün Humbrol 159, weitere 10% schwarz Humbrol 33.

Decal-Zierde

Alle Fahrzeugmarkierungen kommen entweder aus der Restekiste oder wurden mithilfe einer Fotoätzschablone auf transparenter Trägerfolie auflackiert und als Decal angebracht. Vorher wurden die Flächen mit einem Klarlack versehen, um störendes Durchscheinen des Trägerfilmes zu verhindern (silbern).

Alle Decals wurden nach dem Aufbringen mit Micro Sol benetzt. Die „Aggresor Markings“ stellte ich mittels Schablonen auf selbstklebenden Stickern selbst her. Das Dreieck wurde mit Humbrol 101 Mittelgrün lackiert, der Außenring mit Humbrol 159.

Zugegeben, mich kostet es immer wieder Überwindung, ein frisch lackiertes Fahrzeug zu altern, andererseits ist es genau das, was letztendlich ein interessantes Modell ausmacht. Für das Washing am Fahrzeugrahmen kam nur ein fast schwarzes in Frage, da das Oliv Drab sehr dunkel ist.

Für den helleren Aufbau kamen verschiedene Brauntöne zur Anwendung. Danach wurden Farbpigmente auf Rahmen und Reifen aufgebracht und mit Tamiya Verdünner fixiert. Um alle vorspringenden Teilen wie zum Beispiel Schraubenköpfe zu betonen, wird ein Detailwashing aufgebracht.

Farbabplatzer wurden nach dem Trockenmalen (Drybrushing) dezent aufgemalt. Hierfür kam Vandyckbraun von Schmincke zur Anwendung. Um unterschiedliche Farbnuancen am Modell zu erreichen und die Grundfarben zu „brechen“, wurden kleine Farbpunkte auf allen Oberflächen verteilt und mit einem breiten Pinsel senkrecht heruntergezogen. Besonders gut eignet sich als Medium Humbrol Verdünner.

Um Staub zu simulieren, wurden stark verdünnte Beigetöne (Flat Earth und Buff) von Tamiya mit dem Airbrush aufgetragen.

Frauen hinters Steuer

Meine kleine Fahrerin kommt aus dem Hause Mini Manufactori, ich tauschte lediglich ihren Kopf aus (Hornet), ergänzte ihre Frisur (Green Stuff) und verpasste der Dame einen M1 Stahlhelm. Alle Hautpartien wurden mit Ölfarben bemalt, die Uniform mit Vallejo Colours.

Das richtige Zubehör

So manches Zubehör musste aus Plastikprofilen selbst hergestellt werden, wobei mir der „Chopper“ – eine Schneidehilfe – sehr gute Dienste leistete. Alle weiteren Zubehörteile in und an dem Fahrzeug stammen von diversen Herstellern. Es hat doch sehr viel Zeit in Anspruch genommen, diese zu bemalen, zu beschriften und zu altern.

Aber gerade bei solch kleinen Dingen sollte man einen gewissen Qualitätsstandard beibehalten und genauso sorgfältig arbeiten wie am Fahrzeug selbst, damit das Gesamtergebnis ein rundes Bild abgibt.

AVF Club bietet dem Modellbauer eine sehr gute Basis, um ein Arbeitspferd der US Army darzustellen. Hie und da wurde noch ein wenig nachdetailliert, durch den selbst gefertigtem Aufbau erhält der M35 ein völlig neues Erscheinungsbild. Wie Originalfotos zeigen, hat der Modellbauer alle Freiheiten, seinen eigenen Holzaufbau zu kreieren, also frisch ans Werk …

TEXT und FOTOS, sofern nicht anders angegeben: Uwe Kern
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