Valentine V in Spritzguss

Die ukrainische Firma MiniArt lieferte das erste Modell eines Valentine in Spritzguss überhaupt. Der erstklassige Bausatz bringt die frühen Kriegsjahre in Form eines der bekanntesten britischen Panzer auf den Bastelplatz.

MiniArt hat in puncto Modellauswahl und Qualität mit dem Valentine voll ins Schwarze getroffen. © Lars Richter
MiniArt hat in puncto Modellauswahl und Qualität mit dem Valentine voll ins Schwarze getroffen.

Ein Valentine, ein typischer britischer Panzer – genau so ein Modell stand auf meiner Liste, gewissermaßen als Kontrast zu den von mir in letzter Zeit häufig gebauten Fahrzeugen der Deutschen Wehrmacht. Auf der Suche nach Abwechslung stieß ich auf MiniArt und deren Valentine-Varianten. Zudem überzeugten der verbraucherfreundliche Preis und die neue Variante Mk.V. Ich hatte bereits den sowjetischen T-70 und eine SU-76 von MiniArt in positiver Erinnerung.

Der umfangreiche Bausatz besteht aus 13 Spritzgussrahmen mit etwa 650 Einzelteilen inklusive der Einzelkettenglieder, einer Unterwanne, zwei Ätzteilplatinen und einem sauber und scharf gedruckten Decal-Bogen von Begamont. Zudem liegt ein kleiner Spritzling mit zwei Figuren bei, die zwar sehr gut dargestellt, aber eigentlich nicht verwendbar sind, da es sich um britische Infanteristen handelt.

Die Bauanleitung zeigt sich lobenswert übersichtlich aufgebaut und wird durch schöne Farbprofile von sechs möglichen Einsatzfahrzeugen abgerundet, die allesamt einer Einheit zugewiesen werden können, also belegt sind. Alles in allem also ein mehr als erfreulicher erster Blick, der dazu verleitet, nicht zu lange mit dem Zusammenbau zu warten.

Erst studieren – dann probieren

Bevor ich an den Zusammenbau eines Modells herangehe, studiere ich generell immer zunächst aufmerksam die Bauanleitung, am besten über mehrere Tage, also immer wieder. Auf diese Art stellt sich schon vor dem Bau eine gewisse Vertrautheit mit dem Projekt ein.

Ein akribisches „Hängen an der Anleitung“ kommt meistens nicht in Frage – hier entscheiden dann Erfahrung und persönlicher Geschmack. Beim Valentine begann ich jedoch ganz klassisch mit der Unterwanne. MiniArt bietet eine rudimentäre Inneneinrichtung an, die keine hohen Erwartungen bedient, aber allemal gut genug ist, den berüchtigten „Blick ins Leere“ zu vermeiden, so man denn die Fahrerluken offen zeigen will. Ober- und Unterwanne kommen je in einem Stück daher, lediglich an der Unterwanne sind noch Front- und Heckpanzerplatte anzukleben.

Die Schritte 7 bis 15 widmen sich in aller Ausführlichkeit der Darstellung des Laufwerks. Hier hat MiniArt einen phantastischen Job gemacht, Laufrollen, Antriebsräder und Aufhängungen sind sehr schön detailliert. Die Laufrollen sind im Durchmesser minimal zu klein geraten – außer Puristen wird das aber kaum jemandem auffallen.

Wichtiger ist, dass die typischen Details außerordentlich gut wiedergegeben sind.

Kleine Verbesserungen sind immer drin – ich habe die Laufflächen der Rollen mit grobem Sandpapier bearbeitet, dies ergab einen rauen Effekt, ähnlich dem von porösem Gummi. Auch die Aufhängungen der Laufrollen erhielten noch ein wenig Texturierung, hier mit Mr.Surfacer 500. MiniArt hat viel Aufwand betrieben, allein ein Antriebsrad möchte aus fünf Einzelteilen zusammengebaut werden.

Alternativ: Ketten aus Zinn

Im Schritt 16 schlägt Miniart den Zusammenbau der Ketten vor. Dem Bausatz liegen gut gemachte einzelne Kettenglieder aus Plastik bei. Insgesamt sind davon pro Seite 98 Stück zu verbauen. An dieser Stelle bin ich von der Anleitung abgewichen, da ich aus rein persönlichem Geschmack eine Einzelgliederkette von Friulmodel (Art.-Nr.: ATL 32) verwendete.

Die dem Bausatz beiliegende ist aber wirklich gut, mit feinen Gussstrukturen, ohne Auswerferstellen – aber ich bevorzuge die leichtere Handhabung der Metallketten und deren Möglichkeit, sie erst ganz am Ende aufziehen zu können.

Ab Schritt 20 wenden wir uns der Oberwanne zu. Auch diese ist als ein Teil gespritzt. Die einzige Auffälligkeit, von der ich berichten kann, ist die Tatsache, dass diese heckseitig etwas verzogen ist und es daher einem deutlichen Kraftaufwand bedarf, um einen passgenauen Sitz auf der Unterwanne zu erreichen.

Womöglich handelt es sich dabei um ein generelles Problem(chen), denn auch von anderen Modellbauern wurde dazu bereits ähnliches in Foren berichtet.

Der weitere Zusammenbau der Wanne verläuft eher unspektakulär, hier passt einfach alles und die Anleitung führt sicher zu zügigen Fortschritten. Manche Einzelteile sind allerdings extrem fein ausgeführt – wie zum Beispiel die Halterungen der Frontscheinwerfer, sodass extreme Vorsicht beim Bearbeiten angesagt ist. Ab Schritt 27 (Montage der Schmutzfänger) muss man sich für eine der Optionen aus den diversen Bemalungsvorschlägen entscheiden.

Struktur für den Panzerstahl

Die einzige Verbesserung, die ich vorgenommen habe, findet sich im Bereich des Auspuffs, der Front- und der Heckpanzerung. Diese Bereiche erschienen mir zu glatt, sodass ich wieder einmal mit Mr.Surfacer 500 (Gunze) eine etwas gröbere Struktur aufgetragen habe.

Auch am Turm gilt das vorher gesagte: extreme Detailverliebtheit und dadurch bedingt viele Kleinteile. Eins wird allerdings bei näherem Betrachten deutlich: Die Oberfläche des Turms ist ebenfalls viel zu glatt. Um den Eindruck von Panzerstahl anzudeuten, bedarf es etwas Nacharbeit. Daher habe ich zunächst alle Nieten entfernt, die Turmseiten mit Mr.Surfacer 500 bestrichen und mit einem alten Pinsel eine feine unregelmäßige Struktur eingetupft.

Nach ausreichender Trocknung wurde alles sauber geschliffen und die fehlenden Nieten wieder aufgebracht. Zum Einsatz kamen 0,6-mm-Hexagonal-Nieten aus Resin (plusmodel). Wo wir gerade beim Zubehör sind – meinem Valentine spendierte ich zusätzlich ein 7,92 mm BESA-MG von RB Models. Den Zukauf eines gedrehten Aluminium-Rohrs für die Kanonen kann man sich dagegen ersparen, denn das Bausatzteil ist perfekt in einem Stück aus Kunststoff gespritzt. Damit war die Bauphase abgeschlossen, der Multimedia-Kit (ja, es liegen auch Ätzteile bei) war somit vollendet.

Nun stand die Frage nach der Bemalung an – welche Ausführung sollte es sein? Betrachtet man die vorgeschlagenen sechs Varianten, fallen eigentlich nur zwei ins Auge: zum einen ein Fahrzeug mit auffälligem „Malta-Tarnschema“ und zum anderen ein Fahrzeug mit großen Markierungen in den polnischen Nationalfarben Rot und Weiß. Ich habe mich für letztere Option entschieden, obwohl die „Malta“- Variante sicher auch reizvoll wäre.

Das hier gezeigte Modell trägt also die Markierungen einer Brigade, die zwischen 1943 und 1944 in England stationiert war und offensichtlich zu Trainingszwecken aufgestellt wurde. Ein Kampfeinsatz des gezeigten Modells erscheint mir daher als eher unwahrscheinlich. Diese Information wird für die Entscheidung über den Alterungsgrad des Modells noch entscheidend sein.

Britisches Grün mit Farbtupfern

Die Lackierung begann mit einem Auftrag von verdünntem Schwarz (XF-1) über alles als Grundierung. Im nächsten Schritt wurde die eigentliche Tarnung in XF-62 Olive Drab aufgetragen. Dies wurde mit Klarlack versehen, um ein seidiges Finish zu erzielen. Um einen ersten Effekt und Abstufungen von dunkel nach hell zu erhalten, mischte ich XF-21 Sky hinzu.

Irgendwie fehlte mir aber noch das gewisse Etwas. Daher experimentierte ich mit XF-49 Khaki und gab diesen Ton der vorherigen Mischung hinzu. Jetzt kam ein entscheidender Moment – der aufgebrachte Grünton entsprach nicht so richtig dem, was ich mir unter britischen Tarnfarben aus der Zeit vorstellte.

Daher experimentierte ich vorsichtig mit einer extrem verdünnten Farbe, nämlich X-25 Clear Green. Ähnlich einem Filter wollte ich damit das Verstärken des „britischen Grün“ erreichen. Der Effekt ist gewaltig – daher vorsichtig einsetzen. Aber jetzt hatte ich den Ton, der mir vorschwebte, und die Reise konnte weitergehen.

Mit ähnlich grünen Farbtönen, nur heller, aus Vallejo-Acrylfarben ermischt, wurden kleine Details wie die Nieten plastisch hervorgehoben. Die Decals stammen aus dem Bausatz, sind sehr fein und dünn gedruckt und wurden sicherheitshalber mit Softer-Produkten aufgebracht. Nach Trocknung zeigte sich, dass absolut kein „Silbern“ auftrat – so soll das sein.

Filter und andere Effekte

Nun konnten diverse Filter aufgetragen werden, die letztlich über das Aussehen der Lackierung entscheiden. Ich verwendete gelblich-beige Humbrol-Farben, die extrem verdünnt mit schnellen Pinselbewegungen aufgetragen wurden und das Modell inklusive Decals wie aus einem Guss, also homogen, erscheinen lassen. Der untere Wannenbereich wurde mit einer erdfarbigen Mischung aus XF-29 Flat Earth und XF-57 Buff übernebelt, um Staubablagerungen zu simulieren, und mit erdfarbigen Ölfarben behandelt.

Ein weiterer Schritt im Prozess der Alterung war das sehr wichtige Detailwashing. Diesen Schritt sollte man keinesfalls außen vor lassen. Erst diese Technik verleiht dem Modell eine deutlich wahrnehmbare Tiefenwirkung. Der Auspuff lässt sich zum Beispiel durch Lifecolor-Farben überzeugend gestalten. Viele dünne lasierende Farbschichten übereinander sind dafür nötig, rechtfertigen den Aufwand jedoch durch ein realistisches Ergebnis.

Jetzt fehlte mir noch ein weiterer Effekt – eine subtile Wirkung von abgelagertem Staub. Ich habe mich jahrelang mit diesem Effekt schwer getan, entweder wurde die Grundlackierung völlig überdeckt oder aber der Effekt war gleich Null. Dieses Mal beschloss ich, es mit verdünnten Acrylfarben zu versuchen.

Dazu habe ich Stück für Stück bearbeitet, mir also immer nur kleine Bereiche vorgenommen. Der Trick besteht augenscheinlich darin, zuerst die betreffende Stelle am Modell mit Wasser zu befeuchten und die verdünnte Farbe mit einer Pinselspitze dort einzuziehen. Nach der Trocknung verbleibt tatsächlich nur ein Hauch Farbe zurück, die weder aufgesetzt noch zu kläglich wirkt.

Als letzte quasi persönliche Note entschloss ich mich, den mitgeführten Zusatztank farblich vom Rest des Modells abzusetzen. Dazu grundierte ich den Tank zunächst in einem sandfarbenen Ton, sprühte mehrere dünne Lagen Haarspray darüber und anschließend mit Wasser verdünntes Olivgrün.

Durch „Abschrubben“ der oberen Farbschicht konnte im Anschluss der Effekt deutlich abgeplatzter Farbe erreicht werden. Inwieweit ein solcher Tank realistisch ist, mag dahingestellt sein – ich persönlich konnte mich mit dem Farbtupfer gut anfreunden.

Abschließend wurden die Friulmodel-Ketten aufgezogen und beanspruchte Stellen und Griffe mit Grafit-Pigmenten behandelt. Diverse Schmierölflecke runden das Bild eines gebrauchten Fahrzeuges ab.  Bereits mit der T-70 Reihe konnte sich MiniArt als ernstzunehmender Hersteller qualitativ guter Modelle positionieren. Eine kontinuierlich gute Weiterentwicklung der Produktpalette stellt nun die Valentine-Reihe dar.

Das hier vorgestellte Modell überzeugte mich auf der ganzen Linie, bereitet von Anfang an reinen Spaß beim Zusammenbau und lässt an keiner Stelle Frustration aufkommen. So sollen Plastikmodelle sein! Und ganz offen gesagt besteht hier absolut keine zwingende Veranlassung irgendwelches Zubehör zusätzlich zu erwerben. Auch Out-of-Box erhält man ein kleines Schmuckstück. Meine klare Empfehlung lautet daher: uneingeschränkt empfehlenswert! In diesem Sinne … wie immer: „Happy Modelling“.

TEXT und FOTOS: Lars Richter
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