Bulli, Samba Bus

Wirtschaftswunder-Motor: VW T1 Kastenwagen

Das Wirtschaftswunder wäre in den 1950er- und 1960er-Jahren ohne den „Bulli“ kaum vorstellbar gewesen. Revell nimmt sich nach dem Samba Bus auch des Kastenwagen-Klassikers an. Was gibt es beim Bau zu beachten?

Urige Form, Zuverlässigkeit und der hohe Bekanntheitsgrad machen den T1 zum beliebten Sammlerstück. Revell setzt das Original im Modell perfekt um. © Guido Kehder
Urige Form, Zuverlässigkeit und der hohe Bekanntheitsgrad machen den T1 zum beliebten Sammlerstück. Revell setzt das Original im Modell perfekt um.

Seien es Handwerker oder Hilfswerke, Polizei, Kommunen oder Städte, jeder hatte irgendwas zu transportieren. Hier war der „Bulli“ mit seinem üppigen Raumangebot immer die erste Wahl. Nach dem Samba Bus bringt Revell nun auch die geschlossene Variante des VW „Bulli“ T1.

Im Grunde fehlen hier die Seiten- und Panorama-Scheiben wie auch die hinteren Sitze. Die Bodengruppe mit Armaturenbrett und Motor ist 1:1 übernommen, zudem liegt dem Kastenwagen ein farbenfrohes Decal eines Kräuterlikör- Herstellers bei, das mir sehr gut gefällt und vor allem auffällt.

Da macht es einem ein Blick in die Bauanleitung einfach. Wie auch schon beim Samba Bus werden zuerst Bodengruppe, Vorder- und Hinterachse sowie Motor gebaut und bereits farbig gestaltet. Beim Unterboden verwendete ich mattes Schwarz, leichte Gebrauchsspuren arbeitete ich mittels der Trockenmalmethode heraus und betonte einige Details.

Ein sinnvoller Umbau des T1

Da an der Stelle des VW-Zeichens der Hirsch prangt, wurde der Bereich verspachtelt und verschliffen. Und Kenner werden es sicher schon bemerkt haben: Fahrzeuge dieser Baujahre besitzen in der Heckklappe ein kleineres Fenster als üblich, was im Bausatz allerdings nicht berücksichtigt ist.

Hier liegt die Samba-Bus-Klappe bei, ein Einsatzrahmen mit den kleineren Maßen wäre also nötig – oder eine neue Klappe. Historisch korrekt bedeutet das: umbauen. Da im Modellbau der Fortschritt nicht Halt macht, stellte ich dieses Heckfenster samt filigraner Gummidichtung mittels einer CNC-Fräse selber her.

Der Vorteil des Einsatzes dieser Maschine ist der, dass enge Radien und sehr dünne Wandstärken viel präziser gefertigt werden können als von Hand. Hier war es die sichtbare Gummidichtung, die das Fensterglas am Original im Rahmen hält und die ich auch am Modell wiedererkennen wollte.

Diese Dichtung „nur“ mit dem Bastelmesser zu fertigen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Zudem muss an der Innenseite eine feine Hohlkehle angebracht werden, eine schwierige Aufgabe, will man das von Hand bewältigen.

Weitere Kleinigkeiten des Bulli

Damit der Fahrer im Rückspiegel sehen kann, was hinter ihm passiert, befindet sich in der Mittelwand ein kleiner Ausschnitt, der mittels des beiliegenden Klarsichtmaterials geschlossen werden kann. Das Material muss sehr passgenau zugeschnitten sein.

Damit es in die vorgesehene Falz passt, folgte ich nicht den Anweisungen in der Bauanleitung, sondern bediente mich eines Tricks, um genau diese Konturen abzunehmen. Im Baumarkt oder Malerzubehör-Handel gibt es von TESA ein Klebeband in den Breiten 30 und 50 Millimeter, das sich „Precision“ oder „Professional“ nennt.

Zusammensetzung und Beschaffenheit ähneln dem von Tamiya. Auf der Rolle befinden sich jeweils 50 laufende Meter. Von diesem Klebeband legte ich ein Stück über den Fensterausschnitt und drückte es mit einem Zahnstocher in die Ecken der Fensterfalz.

Ein weiterer Vorteil dieses Materials ist eine minimale Dehnbarkeit, dadurch schmiegt es sich leicht an Konturen. Die lassen sich nun mittels Skalpell präzise nachschneiden. Dann den überstehenden Rest abziehen und den verbliebenen Ausschnitt mit einer Pinzette auf das Klarsichtmaterial übertragen und dieses mit einer Schere ausschneiden.

Farbe kommt ins Spiel

Ein ordentliches Modell steht und fällt mit der farblichen Gestaltung und deren Ausführung. Betrachtet man sich die Originale, gibt es viele Oberflächendetails, die matt, seidenmatt oder hochglänzend sind. Auch wenn ein Modell detailreich gebaut ist, ist es für mich immer wieder ein Muss, auch die unterschiedlich glänzenden Oberflächen darzustellen (etwa Sitze seidenmatt, Teppich matt, Karosserie glänzend).

Für die Hochglanz-Oberflächen sollte man sich unbedingt auch viel Zeit für eine ordentliche Vorbereitung nehmen. Die Karosserie-Teile müssen entstaubt und fettfrei sein. Ich wasche sie grundsätzlich unter handwarmem Leitungswasser mit einem Tropfen Spüli ab.

Um eine optimale Haftung der Farben zu erzielen, setzte ich hier eine Grundierung von Alclad ein, hauchdünn aufgetragen. Sie verhindert eine statische Aufladung des Kunststoffs, die Staub und Fussel anzieht, und ebenso, dass die Farbpigmente besonders an den Kanten „wegschwimmen“.

Matte Lacke als Basis trocknen sehr dünn aus und lassen sich ohne Probleme mit Klebeband überkleben. Wegen der Deckkraft gilt die Lackierregel: der hellste Farbton zuerst, der dunkelste zuletzt.

Arbeit nach der Trockenzeit

Nach der Grundierung besteht der erste Farbauftrag aus dem gelben Streifen (Desert Yello XF59), der zweite aus Revell- Orange R30. Nach einer Trockenzeit von einem Tag wurden die orangefarbenen Flächen mit TESA Precision abgedeckt und das Dunkelgrün aufgespritzt.

Hier entschied ich mich für den Tamiya-Farbton Deep Green XF26. Das Ergebnis sieht auch mit matten Farben gut aus. Die erste Klarlackschicht war Glasurit HS Racing Clear VOC 923-135 plus Härter VOC 3.5 „kurz“ und Verdünner (Einstellzusatz) 352-50 mit dem Mischungsverhältnis 2:1 + zehn Prozent Einstellzusatz.

Die nach der Klarlack- Trocknung aufgebrachten, umfangreichen und sauber gedruckten Decals wurden mit einer zweiten Klarlackschicht versiegelt, der Innenraum mit einem matten Lichtgrau lackiert und nach Trocknung dezent gealtert. Den Abschluss bildete der Zusammenbau der Gruppen.

Wäre da nicht die Heckklappe mit den falschen Fenstermaßen, ließe sich dieser „Bulli“ Out-of-Box als nahezu perfektes Abbild des Originals bauen. Auf jeden Fall gehört der VW T1 Kastenwagen in die Reihe der VW-Kultfahrzeuge in der Vitrine neben den Samba Bus und den Käfer, ob nun im Jägermeister-Look oder in einer der unzähligen Vorbildlackierungen. Und dann kommt da ja noch der frühe Golf …

TEXT und FOTOS: Guido Kehder
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