AV-8B Harrier II

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Danach färbte ich den Reflektor mit Clear Blue von Humbrol ein und versiegelte ihn mit viel Klarlack (11). Zum Abschluss wurde die Glasnase aufgesetzt, verschliffen und poliert (12). Ich war nach dem abgeschlossenen Wiederaufbau der Nase mit dem Gesamtresultat weit mehr zufrieden als mit dem ersten Versuch. Viele meiner Arbeitsmethoden und speziellen Techniken entstammen gerade solchen Notlagen. Jan Forsgren, der Präsident der IPMS Schweden, mit dem mich eine enge Freundschaft verbindet, meint, dass solche Missgeschicke den Charakter stärken. Ich glaube, er hat damit Recht!

Nach diesen ungeplanten Arbeiten ging es an die Außenlasten. Bei den Bewaffnungsoptionen hat sich Trumpeter offensichtlich vor Begeisterung ein wenig verlaufen. Das beiliegende Arsenal ist sehr umfangreich, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Der AV-8B hat eine geringe Ladekapazität und nur wenige der vorgeschlagenen Konfigurationen sind tatsächlich möglich. So habe ich keinen einzigen Beleg gefunden, der einen Harrier mit einem MER (Multiple Ejector Rack) zeigt (zwei liegen bei). Das gleiche gilt für die sechs GBU-12. Normal sind ein bis zwei pro Konfiguration. Die Waffen sind obendrein grob ausgeführt und bedürfen der Nacharbeit.

Es ist aber eine ausführliche Bemalungsvorlage mit tollen Decals beigelegt. Die interessanteste mögliche Kombination für mich waren AIM-9 Sidewinder und AGM-65 Maverick-Raketen. Man kann aber auch einen Bomber bauen (zwei MK-117, vier MK-82 Snakeye und vier 250 kg schwere MK-82-Bomben), denn die Hauptaufgabe des Harrier ist die Erdkampfunterstützung. Die Mavericks wurden um LS-Linsen in der Nase ergänzt (13). Die mitgelieferten Kappen aus Klarplastik passen hervorragend und können direkt verwendet werden. Dafür erfordern die Rumpfteile Nacharbeit, speziell an der Spitze am Klarteil.

Für Fotozwecke baute ich die gesamte Bewaffnung und gestaltet sie abnehmbar. Hier ist noch eine unbehagliche Überraschung versteckt. Es sind zwar alle sechs Waffenstationen am Unterflügel vorhanden, aber die Abschussschienen für die AGM-65 und die AIM-9L glänzten durch völlige Abwesenheit und mussten selbst gebaut werden (14). Die beiliegenden Ferrytanks werden nur bei längeren Flügen  verwendet. An Einsatzmaschinen sind sie üblicherweise nicht zu sehen. Sonst könnte der AV-8B außer den AIM-9L keine weiteren Außenlasten mitführen.

Der AV-8B ist eine willkommene Bereicherung, in seiner ursprünglichen Form einfach zu bauen und kann sogar dem weniger geübten Modellbauer empfohlen werden. Will man sich der Sache aber von der modellbauerisch seriösen Seite nähern und den Unzulänglichkeiten des Bausatzes zu Leibe rücken, dann steht einem ein ordentliches Stück Arbeit ins Haus und ein umfassendes Maß an modellbauerischen Fertigkeiten ist erforderlich. Durch die gezielte Beseitigung der gröbsten Fehler und die Verwendung qualitativ hochwertiger Zurüstsätze ist es jedoch möglich, einen eher durchschnittlichen Grundbausatz in ein Topmodell zu verwandeln. Dies geschieht jedoch nicht ohne Kampf und Widerstand, aber das ist ja vielleicht auch ganz passend für ein Angriffsflugzeug wie den Harrier.
Fotos: Albert Tureczek

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