Revells Tirpitz (Teil 1)

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Für die runden Fenster- und Türstürze stanzte ich aus weißem und schwarzem Decalpapier kleine runde Plättchen zwischen zwei und neun Millimeter Durchmesser aus und halbierte sie. Zuerst brachte ich die weißen Halbkreise auf, darüber kamen dann kleinere, schwarze, sodass nur der äußere dünne weiße Bogen sichtbar blieb.

Über die Steuerbordseite der Tirpitz zu jener Zeit sind die Informationen noch spärlicher. Ein Foto lässt eine teilweise Tarnbemalung mit dunklen Flächen erahnen und zeigt diverse Baugerüste, ein anderes Foto wiederum zeigt den Bugbereich mit kleinen unregelmäßigen Flecken. Beides habe ich für mein Modell von den Fotos übernommen, ebenso wie auch vier Gittertürme auf dem Vordeck, selbst wenn ich deren Zweck nicht kenne und ihn bis dato noch nicht ermitteln konnte.

Meine Heimat sind die Berge
Vielleicht gab es sogar einen bayerischen Matrosen, der vor lauter Heimweh ein paar Geranien an die Fenster gemalt hat? Zumindest ist eine solche Szene auf der Rückseite eine kleine Auflockerung. Kurze Zeit später war dieses gewaltige Schlachtschiff sowieso wieder einheitlich grau.

Hafenfront machen …
Um den roten Anstrich der Tirpitz zur Geltung zu bringen und gleichzeitig dessen Sinn zu erklären, brauchte ich einen Ausschnitt des Wilhelmshavener Hafens mit seinen typischen roten Backsteinhäusern als Hintergrund. Auf dem bereits erwähnten Foto, das die Tirpitz querab zeigt, sind einige der Hafengebäude zu erkennen.

Mit weiteren Bildern von Wilhelmshaven konnte ich einen Teil der ­Hafenfront – so gut es eben ging – rekonstruieren, da alle Ansichten im schrägen Winkel aufgenommen waren und ich die genauen Abmessungen der Gebäude nur schätzen konnte. Zum Bau der Häuser verwendete ich Fotokarton.

Die strukturierten Fassaden simulierte ich der Einfachheit halber durch mehrere Lagen Karton. Bemalt wurden die Häuser wie die Tirpitz auch mit roter und schwarzer Farbe und den weißen Decals. Anders als das Modell erhielten die Häuser noch ein paar Alterungsspuren.

Kai – diesmal nicht aus der Kiste …
Auch beim Kai orientierte ich mich an den gefundenen Fotos. Die Laternen und Schuppen mitsamt der Tribüne sind Fotos nachempfunden. Nur den Verlauf der Bahnlinie habe ich selbst bestimmt. Die Möglichkeit, die Hafenszene mehr zu beleben, bot sich dank Nikos neuen Kleinbausätzen einer deutschen WR350-C14-Diesel-Lokomotive mitsamt der zu ihr passenden Güterwagen und dank dreier Opel-Blitz-Lastwagen mit unterschiedlicher Ladung.

Außerdem hatte ich noch einen Güterwagen von Iron Shipwright zufällig zur Hand, der aber qualitativ definitiv nicht in derselben Liga wie die Wagen von Niko spielt. Den Hafen bestückte ich noch mit Kleinteilen wie Kabelrollen, Holzstapeln und Ladegut des Herstellers Goffy sowie Kisten in verschiedenen Größen von Niko.

Auch der Arbeitsponton längs der Tirpitz mit all seinen Bauhütten ist auf der Vorlage zu erkennen; im Modell besteht er aus einem Ponton des Yard-Barge-Sets von Battlefleet Models. Die Hütten sind scratch gebaut. Auf dem Foto liegt er unmittelbar vor einem großen Schwimmkran neben der Tirpitz.

Ich hatte alles nachgebaut … bis auf diesen  Schwimmkran. Mein Diorama war unvollständig! Die erste Überlegung, so ein Ding aus Evergreenprofilen selbst zu bauen, verwarf ich ziemlich schnell. Wer könnte mir jetzt helfen?

Ein Königreich für einen Kran
Es war Anfang 2011, und ich suchte jemanden, der fähig beziehungsweise vielleicht auch verrückt genug wäre, meine fixe Idee als Bausatz umzusetzen. Mein erster Ansprechpartner war Szenen-Intimus Burkhardt Masch, der mit seiner Firma BMK schon so manches Projekt auf die Beine gestellt hat. Burkhardt winkte ab, dirigierte mich aber weiter an Bernd Przybilla, den Inhaber von BJ Modellbau in Berlin, der u. a. schon einen geätzten Hafenkran in seinem Sortiment führte.

Ein weiterer Tipp von Burkhardt verwies mich an Sven Schönyan, der mit seiner kleinen Firma SSN Modellbau bereits an mehreren Urmodellen in Resin arbeitete und die perfekte Adresse für den benötigten Ponton war.

Teamarbeit in Perfektion
Ein wenig Überzeugungsarbeit später waren beide mit im Boot, und es dauerte nicht lange, bis ich die Bilder der ersten Entwürfe zu Gesicht bekam. Die Zusammenarbeit mit allen nötigen Absprachen der beiden Kleinserienhersteller lief reibungslos, auch Burkhardt Masch beteiligte sich mit ein paar gedrehten Metallstiften, und ich durfte dem Modell beim Wachsen zuschauen. Wann hat man schon einmal so eine Gelegenheit, von der Idee bis zur Produktion dabei zu sein?

Und das Ergebnis? Davon berichten wir ausführlich im nächsten Heft.
Rot steht ihr gut - Text & Fotos: Wolfgang Kring

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